Selbständigkeit: positive & negative Erfahrungen

Vor einiger Zeit hat Peer zu einer Blogparade über die positiven und negativen Erfahrungen der Selbständigkeit aufgerufen, an der ich mich gerne beteilige. Ein solches Zuckerschlecken bzw. ein solcher Ponyhof, wie viele meinen, ist die Selbständigkeit nämlich ganz und gar nicht. Es will gut überlegt sein und der Einzelne muss dem Ganzen natürlich auch gewachsen sein. Denn was oft noch sorglos und frei mit dem Wissen um das nächste Gehalt in der Festanstellung funktionierte, kann in der Selbständigkeit schnell in Existenzängste umschlagen. Und damit muss Mensch auch erst Mal umgehen können, denn ängstlich oder gar von Angst gelähmt, arbeitet es sich so gar nicht produktiv.

Ich will heute keine große Lobeshymne auf die Selbständigkeit singen, die sicherlich auch ihre nicht von der Hand zu weisenden Vorteile hat. Ich bin seit Anfang des Jahres 2004 mein eigener Chef, kann tun und lassen was und wann ich will.

In den mittlerweile über 6 ½ Jahren meiner Selbständigkeit gab es Zeiten, in denen ich die Selbständigkeit an und für sich liebte und genauso auch Zeiten in denen ich am liebsten alles über Bord geworfen hätte. Phasen, in denen ich mich nach einer ordentlichen Festanstellung sehnte, genauso wie Phasen, in denen mich kein Mensch dazu hätte überreden können. Diese Phasen wechseln sich auch gerne immer mal wieder ab, kommt halt auch gerade darauf an, wie es läuft und was läuft. Denn leider gibt es die berühmten Spaßkiller immer wieder und genau denen möchte ich mich heute in meinem Artikel zu Peers Blogparade etwas ausführlicher widmen.

Spaßkiller
Als Spaßkiller bezeichne ich die negativen Erfahrungen, mit denen sich ein Selbständiger im Laufe seiner Tätigkeit konfrontiert sieht. Manche Spaßkiller sind klein und können auch schnell mal weggesteckt werden, an anderen knabbert Mann/Frau dann doch etwas länger. Heute will ich Euch mal die 3 in meinen Augen größten Spaßkiller während meiner Selbständigkeit präsentieren:

Einer der größten Spaßkiller ist, wenn der Kunde nicht zahlt. So habe ich zum Beispiel in meiner Anfangszeit für eine Firma gearbeitet, deren Rechnungsbezahlung irgendwann eingestellt wurde. Unterm Strich lief ich den letzten Rechnungen viele Monate lang hinter her, erlebte Aussagen wie „lang mal `nen Nackerten in die Tasche“ und am Ende einigten wir uns dann murrend für einen Ausgleich über deren Produkte, die ich natürlich auch erst mal an den Mann bringen musste, um überhaupt noch eine Chance zu sehen, an mein Geld zu kommen. Je kleiner der Teil der unbezahlten Rechnungen ist, desto einfacher ist es natürlich. Aber wenn so etwas mal einen Hauptteil der Selbständigkeit ausmacht, kann das auch mal schnell in den eigenen Ruin führen.

Ein weiterer enormer Spaßkiller geht in die gleiche Richtung Geld, wenn ich mir Monat für Monat, Tag für Tag sprichwörtlich den A… aufreiße und am Monatsende feststelle, dass das eingenommene Geld vorne und hinten nicht reicht, um die notwendigsten Ausgaben zu decken. Hier kommt dann der Faktor Existenzangst mit ins Spiel und wer diesen schon einmal erlebt hat, weiß, dass mit dem wirklich nicht zu spaßen ist. Er legt einen sprichwörtlich lahm, macht unzufrieden, depressiv und absolut unkreativ.

Last but not least will ich hier noch einen dritten enormen Spaßkiller anführen, der mich in den Jahren meiner Selbständigkeit schon viel Spaß und Geld gekostet hat: Abmahnungen. Wer online sein Geld verdient wird sich früher oder später damit konfrontiert sehen. Bei mir waren es bereits mehrere im Laufe der Jahre. Ich bin wirklich vorsichtig geworden, passe auf was ich schreibe, recherchiere und in meinem Shop geht seit Jahren kein Text mehr online, den nicht mein Anwalt für Lebensmittelrecht vorher abgenickt hat. Und trotzdem kann es einem immer wieder treffen, eine Rechtsverletzung ist schnell begangen, ohne dass man sich derer überhaupt bewusst gewesen wäre. Das ärgerlichste daran ist, dass dieser Spaß immer gleich mal ein paar tausend Euros kosten soll. Die wenigstens würden einen einfach informieren und bitten den entsprechenden Passus offline zu nehmen. Stattdessen schicken die schweren Konzerne teure Abmahnkanzleien los und hoffen damit wieder eine Existenz ruinieren zu können… zumindest macht es diesen Anschein. Denn eines ist diesen Konzernen und Kanzleien doch auch klar: Hinter Ein-Mann-Firmen liegen keine Tausender in der Portokasse um solche Aktionen berappen zu können.

Neben den Spaßkillern gibt es natürlich auch noch die positiven Aspekte. Mal überwiegt das Positive, mal das Negative. Unterm Strich bleibt stehen, dass die Selbständigkeit jeden Tag aufs Neue eine Herausforderung ist, der Mann/Frau mal mehr und mal weniger gewachsen ist.

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